Wie kannst du verstehen, wie ich meine, was ich sage?


So gelingt Kommunikation in der Partnerschaft

„Nie hörst du mir richtig zu!“ „Warum muss man dir immer alles dreimal sagen?“ – Sätze wie diese fallen tagtäglich in Paarbeziehungen. Interpretiert man die Botschaften dahinter, erkennt man neben Wut und Verzweiflung oft auch ein hohes Maß an Verletzung und Unverständnis. Was macht Kommunikation in der Partnerschaft so schwierig? Warum haben Partner oft das Gefühl, in unterschiedlichen Sprachen zu sprechen? Wie kann Kommunikation in der Partnerschaft gelingen? Die zehn folgenden Tipps können ein Bewusstsein dafür schaffen und eine Hilfestellung für konstruktive Gespräche bieten.

Tipp 1: Rahmen schaffen

Wählen Sie einen geeigneten Zeitpunkt. Überfallen Sie Ihre/n Partner/in mit einem konfliktbeladenen Thema nicht zwischen Tür und Angel, nicht während der Lieblingssendung oder beim Abendessen mit den Kindern. Achten Sie darauf, dass Störquellen, wie z.B. Handys, ausgeschaltet sind. Räumen Sie dem Gespräch Zeit und Raum ein. Sagen Sie ihr/ihm, dass Redebedarf besteht und fragen Sie, wann es ihr/ihm passt.

Tipp 2: Jeder wird gehört

Legen Sie im Vorfeld fest, dass jeder seine Beiträge in Ruhe vorbringen kann, ohne vom anderen unterbrochen zu werden. Hören Sie aktiv zu und ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse, bevor die/der Partner/in seinen Standpunkt geäußert hat. Sollte dies nicht gelingen und die Situation erneut in eine dysfunktionale Richtung gehen oder gar eskalieren, brechen Sie das Gespräch rechtzeitig ab. „Ich glaube, wir sollten das Gespräch vertagen, bevor wir uns gegenseitig verletzen!“ „Das Gespräch läuft in eine Richtung, die mir nicht gefällt! Wir sind beide sehr aufgebracht. Ich schlage vor, wir beenden das für heute und sprechen morgen weiter, wenn wir uns beruhigt haben!“

Tipp 3: Vorwürfe und Verallgemeinerungen vermeiden

Vorwürfe führen automatisch zu einer Abwehrhaltung und in eine Verteidigungsposition. Ähnlich die Frage nach dem „Warum“. Verallgemeinerungen signalisieren, dass die/der Partner/in generell negativ gesehen wird. Werden Sie konkret und veranschaulichen Sie Ihren Unmut an bestimmten Beispielen. Anstelle von „Du bist ständig am Meckern!“ könnten Sie fragen: „Du hast gestern kritisiert, dass ich zum Sport gegangen bin und am Wochenende, dass meine Eltern zu Besuch waren! Was stört dich genau daran?“ Auch sollte Kritik auf ein bestimmtes Verhalten bezogen werden und nicht auf die Person: „Ich sehe, dass dein Verhalten den Kindern gegenüber zunehmend ungeduldiger wird, z.B. hast du…“, wirkt weniger anklagend als „Du bist mit den Kindern so ungeduldig!“ Indem Sie auf bestimmte Verhaltensweisen eingehen, kritisieren Sie nur einen Teil Ihrer/s Partners/in (Agieren in einer konkreten Situation) und stellen nicht den Menschen als Ganzes an den Pranger (Du bist).

Tipp 4: Ich-Botschaften

Schildern Sie die Situation aus Ihrer Sicht: „Ich fühle mich kraftlos!“ „Ich vermisse deine Nähe!“ Sie zeigen auf, was Ihnen fehlt, anstelle anzuklagen: „Du siehst nicht, wie ich leide!“ „Nie bist du da!“
Machen Sie Vorschläge, die Ihnen helfen könnten, mit der Situation besser umzugehen: „Ich habe überlegt, mir Hilfe im Haushalt zu suchen!“ „Könnten wir wieder öfter etwas alleine unternehmen?“

Tipp 5: Fragen statt sagen

Stellen Sie keine voreiligen Behauptungen auf, sondern fragen Sie nach dem Empfinden der/des Partners/in: „Wie empfindest DU das?“ „Was stört DICH an der ganzen Situation?“ „Wie kann ich Dir dabei helfen?“ Damit holen Sie die/den Partner/in mit ins Boot, signalisieren ihr/ihm, dass das Thema und die Lösung beide angeht, jeder seinen Beitrag leisten sollte und die Verantwortung auf beiden Seiten liegt.

Tipp 6: Ändern Sie die Blickrichtung

Versuchen Sie, das Thema aus Sicht Ihrer/s Partners/in zu betrachten. Wie wirkt die Situation, das Problem auf sie/ ihn. Was könnte sie/ihn hemmen, eine Lösung anzustreben? Eine weitere Möglichkeit ist, gedanklich von der  Persönlichkeitsebene auf die Sachebene zu wechseln. Versuchen Sie, Ihre Problematik als eine Szene auf der Bühne mit Schauspielern zu sehen. Was würden Sie über den Mann/die Frau in der Rolle denken? Würden Sie Ihren Standpunkt hinterfragen oder bekräftigen? Was würden sie den Protagonisten raten?

Tipp 7: Angebot machen

Vor allem bei vorangegangenen Verletzungen ist zusätzlich zu einer Entschuldigung ein Angebot zur Wiedergutmachung hilfreich. Ergänzend zu: „Entschuldigung, es tut mir leid!“, könnten Sie direkt auf die Situation bezogen anbieten: „Tut mir leid, dass ich dir den Fußballabend verdorben habe! Was würdest du davon halten, deine Freunde am Samstag zum Grillen einzuladen?“ „Entschuldige, dass du schon wieder alleine zum Elternabend musstest! Ich biete dir an, dass ich am kommenden Wochenende die Kinder betreue, und du den Samstag ganz für dich hast!“

Tipp 8: Zielformulierung

Was sind die Wünsche der/s Partners/in zur Lösung des Problems? Wie können WIR diese gemeinsam angehen? Welchen Kompromiss können WIR finden? „Ich akzeptiere, dass du zweimal in der Woche zum Training gehst, möchte dann allerdings auch, dass du die Sportveranstaltungen der Kinder am Sonntag besuchst und organisierst, damit ich auch meinen Freiraum habe!“ – Eine klare Zielformulierung und die Umsetzung in kleinen Schritten. Wie können diese  einzelnen Schritte aussehen? Welche Hilfestellungen braucht die/der Partner/in? Was könnte dabei helfen? Welchen zeitlichen Rahmen räumen wir uns bis zur Lösung ein?

Tipp 9: Der erste Schritt

Klare Absprache des ersten Schrittes in Richtung Lösung; Was ist der erste Schritt? Wann? Wie? „Ich gebe dir den Spielplan der Kinder und zeige dir, was alles benötigt wird!“ Das heißt im Umkehrschluss, dass die Absprache von beiden Seiten eingehalten, der erste konkrete Schritt gemeinsam erarbeitet wird und auch die Hilfestellung der/des Partners/in bis zur endgültigen Umsetzung gewährleistet ist.

Tipp 10: Was noch?

Diese Frage zeigt nochmals deutliches Interesse an der Sichtweise der/s Partners/in und auch an der gemeinsam angestrebten Lösung des Problems: „Ist für dich alles zu diesem Thema geklärt?“ „Gibt es noch etwas, was du mir sagen möchtest?“ „Können wir das so stehen lassen?“ Sollte eine zusätzliche Problematik angesprochen werden – vertagen! „Ja ich glaube auch, dass wir das baldmöglichst besprechen sollten. Heute wäre mir das jedoch zu viel – ich schlage nächsten Sonntag vor!“

Diese Tipps sind eine Anregung, wie Kommunikation in der Partnerschaft gelingen kann. Nicht alles funktioniert dabei sofort. Auch hier zahlen sich kleine Schritte aus und die Punkte als das zu sehen, was sie bezwecken sollen – ein kleiner Leitfaden in eine konstruktive Richtung. Lassen Sie sich nicht einschüchtern, wenn nicht alles gleich zu Beginn gelingen sollte; Learning by Doing – oder wie heißt es in der Werbung:
„Nicht immer, aber immer öfter!“

- Gabriele Kemmer, Veröffentlichung im Magazin coach!n, Heft 6/2016


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Gabriele Kemmer

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In meiner Praxis für Psychotherapie biete ich Ihnen in einem geschützten Rahmen Zeit und Raum für ausführliche therapeutische Gespräche und systemische Beratung ( z.B. bei Problemen in der Familie, Ehe oder Partnerschaft).

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