„Gefühl für die Krankheit bekommen“


Welttag der seelischen Gesundheit - Die psychologische Beraterin Gabriele Kemmer gab Ratschläge zum Umgang mit von psychischen Problemen Betroffenen

Die IBB-Stelle berät Menschen, die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind. Anlässlich des Welttags der seelischen Gesundheit veranstaltete sie einen Informationsabend.

Main-Tauber-Kreis. Der Umgang mit psychischen Erkrankungen ist für Betroffene und Angehörige nicht einfach. Erkrankte lehnen Unterstützung in vielen Fällen ab, Familienangehörige und Freunde sind oft ratlos und wissen nicht, wie sie am besten helfen können.

Die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle (ÍBB) berät Menschen auf diesem schwierigen Weg und bietet verschieden Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und fachliche Informationen an. Anlässlich des Welttags der seelischen Gesundheit am 10. Oktober veranstaltete die IBB einen Informationsabend im Gründerzentrum Tauberbischofsheim. Gabriele Kemmer, psychologische Beraterin aus Tauberbischofsheim, referierte zum Thema „Ist das nicht irre?“. Der Vortrag richtete sich an Betroffene, Angehörige, Außenstehende und Fachpersonal.

„Immer noch ein Tabu“

„In der Gesellschaft sind psychische Störungen immer noch ein starkes Tabu“, stellte Kemmer fest. Einen Beinbruch könne man sehen, einen Tumor entfernen. „Psychische Erkrankungen zeigen sich viel schwammiger und weniger begreifbar. Sie irritieren und befremden“, erklärte die Referentin.

„Patienten schildern häufig, dass sie das Gefühl haben, nicht mehr Herr ihrer Sinne zu sein. Sie beschreiben diesen Zustand mit dem Gefühl, fremdgesteuert zu sein.“ Das eigene Denken, Handeln, Ich-Gefühl sei dann stark beeinträchtigt, ebenso die Stimmung und Wahrnehmung.

Kemmer, die Coaching für Firmen und Einzelpersonen anbietet, rät Betroffenen „ein Gefühl für die Krankheit zu bekommen“. Nur so könnten rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden. Zudem sei es wichtig Vertrauenspersonen mit einzubeziehen und in gesunden Phasen zu klären, wie sich der Erkrankte das Vorgehen bei einem erneuten Ausbruch vorstellt. Medikamente sollten nie eigenmächtig abgesetzt werden, auch wenn der Patient den Eindruck hat, dass es ihm besser geht.

Angehörigen empfiehlt Kemmer zuerst die eigene Einstellung zur Erkrankung zu hinterfragen: „Was löst sie in mir aus und wie zeigt sich das auch in der Interaktion mit der kranken Person?“. „Nutzen Sie Anlaufstellen und suchen Sie Halt im privaten Umfeld“, betonte Kemmer. Es sei außerdem wichtig, auch die eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen.

In der Kommunikation mit dem Betroffenen sollte die Sach- und nicht die persönliche Ebene angesprochen werden. „Weniger ist oft mehr. Formulieren Sie klare Sätze und kommen Sie schnell auf den Punkt. Überfordern Sie den Betroffenen dabei aber nicht und akzeptieren Sie ein Nein“, erläuterte die Beraterin. Außenstehende würden am meisten helfen, wenn sie versuchen, sich möglichst normal zu verhalten.

„Wir werden mit dem Problem alleine gelassen“, kritisierte eine Frau aus dem Publikum. Oft bekomme man erst nach über sechs Monaten einen Termin bei einem Psychotherapeuten. Gabriele Kemmer zeigte Verständnis für die schwierige Betreuungssituation. Oft sei es aufgrund der dünnen Personaldecke und des hohen Arbeitspensums nur bedingt möglich, Termine zu vereinbaren.

Ein Psychologe versuche aber allen gerecht zu werden. Patienten und deren Nahestehende sollten darauf achten, dass Termine effektiv genutzt werden.

Darüber hinaus sei es ratsam, weitere Hilfsangebote von IBB-Stelle, Caritas, Diakonie und dem sozialpsychiatrischen Dienst zu nutzen. Der Hausarzt sei immer der erste Ansprechpartner.

Ein Familienangehöriger machte den Teilnehmern des Informationsabends Mut: „Machen Sie einen Schritt nach dem anderen, erwarten Sie aber keine Veränderung von heute auf morgen.“ Irgendwann lasse sich ein „Level“ erreichen, mit dem ein lebenwerter Alltag wieder möglich ist.

Stigmatisierung vermeiden

Nina Schmitt, die im sozialpsychiatrischen Dienst in der IBB-Stelle arbeitet, zeigte sich mit der Resonanz des Informationsabends zufrieden. Etwa 50 Interessierte waren gekommen.„Personen mit psychischen Erkrankungen werden oft noch stigmatisiert“, findet sie. Zu sagen, dass man Probleme habe, komme immer noch einem Outing gleich. „Wir wollen das Thema aus der Schmuddelecke herausholen und deutlich machen, dass es Hilfe gibt.“

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 12.10.2019


Zurück

Gabriele Kemmer

Gabriele Kemmer

In meiner Praxis für Psychotherapie biete ich Ihnen in einem geschützten Rahmen Zeit und Raum für ausführliche therapeutische Gespräche und systemische Beratung ( z.B. bei Problemen in der Familie, Ehe oder Partnerschaft).

Qualifikation

Auch interessant

Vorträge

Krisenbewältigung

Thema Angst

Thema Bedenken

Thema Paarbeziehung

Thema Depression

Kommunikation

Körpergefühl

Hinweise

Termin vereinbaren

Gabriele Kemmer
Heilpraktikerin für Psychotherapie

Goethestraße 53
97941 Tauberbischofsheim

0151 54641397

Kontakt aufnehmen

© 2019 Gabriele Kemmer. Alle Rechte vorbehalten.